GESELLSCHAFT | FÜR BALANCE IM MEDIENKONSUM

Nach mehr, mehr, mehr folgt Detox. Mich beschleicht langsam aber sicher das Gefühl, dass wir bis zur Erschöpfung konsumieren, bis wir uns sagen “Halt, Stop!” Aus die Maus! Die Detox-Phase wird eingeläutet – ist ja auch total modern. Ich zumindest kann von mir mittlerweile behaupten, dass ich selbst von all dem Detox-Hype irgendwann mal eine Detox-Kur brauche. Wenn ihr mich fragt, ist Detox sowieso das Unwort schlechthin und doch kann ich das Verlangen nach Entgiftung wiederum nachvollziehen, denn Entschleunigung scheint das Wohlfühlglück unserer Generation zu sein. Auch meines! Luftholen von all dem berauschenden Überfluss.

Nach dem Hype folgt Detox.

Wenn ich meine letzten Wochen Sabbatical Revue passieren lasse, fällt mir besonders eines auf: ich hatte Zeit wie nie. Nicht so wie damals, als in sechs Wochen Schulferien dieses Gefühl von Langeweile über uns einbrach, das wir heute komplett verlernt haben. Nein, dieses Gefühl ereilte mich gewiss nicht. Doch während meine Freizeit sonst rigoros durchgetaktet ist, jeder Abend, jedes Wochenende effektiv geplant, hatte ich während der letzten Monate ungewohnte Freizeit für allen Unsinn. Und vor allem für ungezügelten Medienkonsum: Dokus, Bücher, Serien, Blogs, Online und Print Magazine und Instagram, Instagram, Instagram. Glaubt mir, wirklich nichts entging mir!

Kaum hatte mich das normale Leben wieder merkte ich jedoch schnell, dass sich dieses Verhalten mit meinem Alltag ganz und gar nicht unter einen Hut bringen lässt. Während ich eben noch am Strand meine Zeitschriften lesen und parallel den Instagram-Feed checken konnte, kommt mir nun wohl oder über der klassische Büro-Alltag in die Quere. Schlimmer noch, mir fällt auf, wie ich jede freie Minute zum Smartphone greife. Unbewusst.  Während ich andere Medien, die ich zwischenzeitlich für besonders wertvoll und erhellend empfand, aus dem Fokus verliere. Weil sie mich aber auch einfach zu viel Zeit kosten. Zeit, die ich nicht habe.

Schnell fühlte ich mich gefangen in einem negativen Mediensog aus dem ich ratzfatz ausbrechen wollte, bevor ich wieder meinem klassischen Verhaltensweisen verfiel. Hatte mir mein neu angeeignetes Wissensspektrum doch so gut gestanden. Diesen Anspruch hatte ich schließlich auch an meine Auszeit: eine nachhaltige Veränderung gar Verbesserung meines Lebensstils sollte da schon drin sein. Statt dem Alles-oder-nichts-Lifestyle, in dem sich Hype und Detox regelmäßig abwechseln, wollte ich das Thema nachhaltig angehen. Denn wissen wir nicht alle spätestens seit Brigittes unzähligen ineffektiven Diäten, dass kompletter Verzicht im unschönen Jojo-Effekt resultiert? Mehr Ausgleich im Konsumieren meiner Medien, langfristig abgestimmt auf meine individuellen Bedürfnisse, so lautete das Ziel.

Wir konsumieren unterbewusst und parallel.

Gesagt, getan. Ein Plan musste her, ich bin ja schließlich Stratege, wenn auch ein impulsiver. Zunächst stellte ich mir die Frage, was mir wichtig ist, was mich interessiert und worauf ich gern und gut verzichten kann. Als nächstes versuchte ich meinen Medienkonsum zu beobachten. Schnell fiel mir auf, dass ich aus Gewohnheit ultra viel on the go konsumiere, immer wieder ohne bewussten Grund zum Smartphone greife und dort ewig unnötig hängen bleibe. Der TV rauschte im Hintergrund, selbst dann, wenn ich bereits fest entschlossen ein Buch in der Hand hielt. Seien wir ehrlich, das war für mich auch keine neue Erkenntnis, ich stellte es nur augenscheinlich zum ersten Mal in Frage. Schließlich ging es ja auch anders, das hatte ich die letzten Wochen selbst erlebt.

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Kurzerhand wurde mein Smartphone umgestellt: Push-Nachrichten aus, Browser statt Apps, Flugmodus bei Nacht. Das ganze Gebimmel einfach mal ausgeschaltet. Es musste doch möglich sein, dass man auf mich wartet. Gewohnheiten wurden von nun an gezielt durchbrochen, der kurze Feed-Check vorm Schlafengehen systematisch abgewöhnt und auch morgens sind Facebook und Instagram nicht mehr die erste Informationsquelle. Unnötiger TV Konsum auf Null, stattdessen werden Dokus und Serien vorab rausgesucht, Print Magazine abonniert und endlich die Bücher gelesen, die schon seit ewigen Zeiten verstaubt im Regal stehen.

Siehe da, nach vier Wochen kann ich euch sagen, ich fühle mich derbe befreit! Ich muss nicht mehr wissen, was alle Welt um mich herum gerade treibt. Und ich merke vor allem eins, ich habe auch nichts verpasst. FOMO Adieau! Stattdessen schleppe ich nun Sonntags ein Buch mit ins Café. Wollte ich das nicht früher schon immer tun? Und auch wenn der Daumen anfangs immer wieder zurück zum ursprünglichen App-Logo zielt und es definitiv ein bewusster Prozess ist, der im Verhalten etabliert werden muss, langsam aber sicher ist es nun auch in meinem unterbewussten Gehabe angekommen. Probiert es aus!

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